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Rishikesh noch zeitgemäß?

Warum bedarf es einer Modifikation der Traditionsreihe?

Die Rishikesh-Reihe ist aufgrund ihrer äußerst komplexen Haltungen oft in Verruf geraten, schädigend auf den Körper zu wirken.
Und sicherlich mit Recht. Allerdings sollte hier Beachtung finden, dass in ihrem Ursprung Sivananda als Lehrer für einen Schüler handelte und gezielt mit
diesem arbeitete, täglich. Individuell fiel die Entscheidung, wann sich an welche Haltung herangewagt werden konnte.

In der heutigen Zeit jedoch wird Yoga überwiegend als Gruppenangebot offeriert. Dies erschwert einem Yogalehrer, wie weit ein Schüler wirklich gehen sollte. Dabei legen leider viele Schüler keinen Wert darauf, trotz Script zuhause zu üben. Weiterhin sind wir in unserer Gesellschaft auf Leistung hin orientiert und überschreiten sehr gerne die Grenzen, insbesondere im Vergleich in einer Gruppe. Hier geht oft jegliches Gespür für eigene Grenzen verloren.

Yoga wird oft als Leistungssport angesehen und definiert über möglichst komplexe Haltungen. Dies suggerieren auch Yogazeitschriften auf ihren
Titelseiten. Die Realität ist jedoch, dass insbesondere Menschen mit Schwachstellen (Fehlhaltungen, akute Beschwerden, Muskelschwächen)
Kurse aufsuchen, die diese Positionen niemals erreichen könnten.
Hier hatte Sivananda wie in Indien üblich eine vollkommen andere Situation: junge, gesunde Burschen suchten sich einen Lehrer.

Ein Praktizieren der Reihe, wie Sivananda es empfahl, wird daher für die meisten aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein. Um dennoch vielen Menschen diese traditionelle Reihe näher zu bringen, bedarf Asana einer Abwandlung, jedoch die besondere Wechselwirkung der Haltungen zueinander soll weiterhin in ihrer Qualität erfahrbar bleiben.....

 

 

....Hernach startet die eigentliche Reihe, bei der nach jeder Haltung eine Nachspürphase, oft in der Leichenhaltung, Shavasana stattfindet. Ohne körperliche Vorbereitung in ein Asana zu gehen und danach nachzuspüren birgt eine vollkommen neue Erfahrung.  Die körperliche und geistige Wirkung wird spürbarer. Nachspürphasen werden mit Befragungen, wie z.B. „wie nimmst du deinen Körper wahr? Wohin fließt nun dein Atem? Welche Gedanken kommen auf? Wie ist dein Gemüt/deine Stimmung?“ begleitet.

Das Nachspüren birgt ein großes Potential, denn es öffnet einem den Zugang zu sich selbst. Selbstreflektion ist ein achtsamer Weg, feste Gedankenmuster zu durchbrechen und sich zu entschleunigen. Viele Teilnehmer berichten, dass dieser Vorgang gut in den Alltag integrierbar ist und stressreduzierend empfunden wird.

Im Yoga arbeiten wir oft vom Grobstofflichen hin zum Feinen. Zunächst werden sich eher körperliche Aspekt im Üben zeigen. Doch kann in einer Asana
vielmehr erlebt werden. Geistige und energetische Wirkung sind ein Resultat, welches ein kontinuierliches Üben mit sich bringt. Dann kann Yoga ganzheitlich wirken und Gelassenheit und gleichzeitig Mut oder Geduld fördern. Auch ist das Praktizieren dann ein guter Nährboden für Cakrenarbeit und Meditation.

Im Sinne Sivananda nun, tu, was getan werden muss. Beginne jetzt.

 

 

                                                                                                                                                                                 Susanne Stern


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